Dortmund bekommt seinen eigenen Phoenix See.
Als Befürworter von “Europa’s größter Landschaftsbaustelle” war es am gestrigen 01. Oktober für mich Pflicht, anlässlich der Flutung gemeinsam mit offiziellen 55.000 Besuchern zum von der Stadt Dortmund initiierten Volksfest zu pilgern.
Besonders gefreut hatten wir uns natürlich auch auf den Auftritt von Amy Mcdonald.
Leider war die Veranstaltung weder atmosphärisch, noch organisatorisch ein Hit.
Einerseits sorgte die restlos unterdimensionierte Kirmes auf dem feucht-vermatschten Schotterplatz für teilweise uferlose Wartezeiten bei der Getränke- und Speisenversorgung, andererseits schuf sie nicht unbedingt die erwartete Mischung aus Ruhrgebiets-Kultur und Kult. Eine Art “Cranger Kirmes” für Arme.
Warum der Veranstalter auf die Idee gekommen ist, Amy Macdonald ausgerechnet auf einer Insel im See auftreten zu lassen, die einen gefühlt zwei Kilometer weiten Graben zwischen Künstler und Publikum aufriss, bleibt unerklärlich. Gerade die Auftritte einer Künstlerin wie Amy Macdonald leben von der Nähe zwischen Band und Publikum.
Umso ärgerlicher, dass die Stadt Dortmund Macdonald heute frecherweise auch noch falsch zitiert:
“This is the most awesome place I’ve ever played a concert” verschlug es der Sängerin beim Anblick der zehntausenden Besucher und des PHOENIX-Sees die Sprache. (Falsches Zitat auf dortmund.de)
In Wirklichkeit nämlich sagte Amy Macdonald bereits nach dem ersten Song:
“This is the oddest place I’ve ever played a concert. I usually love to see the faces of my audience. And I cannot see you at all. Well, I hope, you enjoy it.”
Und nach dem dritten Titel ging es weiter:
“I rather feel like coming over to you and continue playing in the middle of you all. This is so strange and feels so… disconnected!”
Sichtlich unwohl fühlte sich die Künstlerin also mit dem Arrangement. Merkwürdig, dass sich die Stadtbeamten so verhört haben, ein Schelm wer pressepolitische Manipulation vermutet.
Da man auf dem ebenerdigen Veranstaltungsgelände schon ab Reihe 15 selbst die viel zu kleine Leinwand nicht mehr sehen konnte, geriet der Auftritt eher zu einem Radioerlebnis in Monoqualität.
Alles in allem freuen wir uns über das Projekt im Herzen unserer Stadt und den fortschreitenden Kulturwandel. Allein die Veranstaltung war leider ein Reinfall.